Mitarbeitende kommen und gehen. Das ist in jedem Unternehmen völlig normal.

Der Wechsel im Personalbestand wird als Mitarbeiterfluktuation oder Personalfluktuation bezeichnet. Ebenso wird der englische Begriff Employee Turnover verwendet. Grundsätzlich beschreibt die Mitarbeiterfluktuation laut Definition alle Auflösungen von Arbeitsverhältnissen, meist werden zur Berechnung der Fluktuationsrate jedoch nur die arbeitnehmerseitigen Kündigungen herangezogen.

Mitarbeiterfluktuation hat viele Gründe. Eine hohe Fluktuationsquote hängt meist mit einer niedrigen Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterzufriedenheit zusammen. Wir schauen uns die genauen Gründe im Folgenden genauer an, beleuchten die Folgen und geben euch Tipps, wie ihr eine hohe Mitarbeiterfluktuation in eurem Unternehmen verhindern könnt.

 

Wie hoch ist die Mitarbeiterfluktuation in Deutschland?

Die Fluktuationsrate ist in Deutschland seit Jahren auf einem konstanten Stand von rund 30 Prozent.

Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und des Instituts der deutschen Wirtschaft. Diese geben aber nur einen groben Überblick. Wenn wir uns die Zahlen abhängig von Branche, Alter und Berufsausbildung etwas genauer anschauen, lassen sich hier große Unterschiede erkennen.

Alter

Unter jüngeren Arbeitnehmenden ist die Fluktuationsrate besonders hoch.

Das mag daran liegen, dass sich Mitarbeitende beim Einstieg in die Arbeitswelt häufig noch in der Findungsphase befinden, sich auf dem Arbeitsmarkt umsehen, verschiedene Möglichkeiten ausprobieren und sich häufiger beruflich umorientieren. Im Gegensatz dazu wechseln Arbeitnehmende über 55 Jahren nur selten ihren Job.

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Berufsausbildung

Mitarbeitende ohne Berufsabschluss wechseln häufiger den Betrieb.

Dies lässt sich damit begründen, dass sie oft in Branchen arbeiten, die weniger berufsspezifische Kenntnisse voraussetzen. Dadurch ist der Wechsel sowohl auf Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberseite einfacher.

Branchen

In Branchen ohne berufsspezifische Kenntnisse lässt sich somit ebenso eine höhere Fluktuationsrate beobachten.

Beispiele dafür sind das Gastgewerbe und die Kommunikationsbranche. Eine saisonabhängige Fluktuation ist darüber hinaus unter anderem in der Touristik zu verzeichnen. Die öffentliche Verwaltung und das Sozialwesen dagegen melden im Vergleich eine deutlich geringere Mitarbeiterfluktuation.

 

Fluktuationsrate berechnen

Die Fluktuationsrate ist eine Kennzahl, um die Fluktuation in einem bestimmten Zeitraum zu beschreiben. Sie wird in Prozent angegeben.

Um die Mitarbeiterfluktuation zu berechnen, werden die Personalabgänge und Neueinstellungen mit dem durchschnittlichen Personalstand gegengerechnet. Zur Berechnung werden vor allem zwei verschiedene Formeln genutzt: die BDA-Formel und die Schlüter-Formel.

In Unternehmen wird die Fluktuationsrate der Mitarbeitenden meist jährlich bestimmt. Dabei ist es nicht nur sinnvoll, das ganze Unternehmen zu betrachten, sondern auch den Personalwechsel in einzelnen Abteilungen näher zu beleuchten.

 

Die 3 Arten von Fluktuation

Mitarbeiterfluktuation lässt sich in drei unterschiedliche Arten einteilen:

  • Natürliche Mitarbeiterfluktuation: Bei dieser Art der Fluktuation verlassen die Mitarbeitenden das Unternehmen aus natürlichen Gründen. Meist ist das beim Eintritt ins Rentenalter der Fall.
  • Unternehmensinterne Fluktuation: Wechseln Mitarbeitende innerhalb des Unternehmens die Position, spricht man von unternehmensinterner Personalfluktuation. Die Mitarbeitenden bleiben dabei im Betrieb und nehmen lediglich intern eine neue Stelle, beispielsweise in einer anderen Abteilung, ein. Das tritt oft nach einer Fortbildung oder einer Beförderung ein. Diese Art der Fluktuation ist somit karrierefördernd.
  • Unternehmensfremde Fluktuation: Bei der unternehmensfremden Fluktuation verlässt der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin das Unternehmen und tritt eine neue Stelle bei einem anderen Arbeitgeber an. Für die freigewordene Stelle muss somit ein Ersatz gesucht werden. Erfolgt die Kündigung in den ersten zwölf Monaten, spricht man hier von Frühfluktuation.

Was sind die Gründe für Mitarbeiterfluktuation?

Übergeordnete Gründe für die Mitarbeiterfluktuation sind meist in der Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterzufriedenheit zu finden.

Jedoch stecken auch oft sehr persönliche Gründe dahinter, warum Mitarbeitende die Firma verlassen.

Um diese Gründe herauszufinden, lohnt es sich, Fluktuationsanalysen durchzuführen, zum Beispiel mithilfe von ausführlichen Exit-Gesprächen.

Höhere Arbeitgeberattraktivität der Konkurrenz

Ein häufiger Grund für Kündigungen von Arbeitnehmenden ist ein besseres Jobangebot eines anderen Arbeitgebers.

Dieses Angebot kann sich beispielsweise aus folgenden Aspekten zusammensetzen:

  • Höheres Gehalt
  • Flexiblere Arbeitszeiten
  • Bessere Karrierechancen
  • Kürzere Arbeitswege

In Zeiten des Fachkräftemangels ist der War for Talents auf dem Arbeitsmarkt eine große Herausforderung für Unternehmen. Viele Unternehmen buhlen um eine immer geringer werdende Anzahl an qualifizierten Arbeitskräften. Das bringt motivierte Fachkräfte auf der anderen Seite in die angenehme Position, aus dem großen Angebot an freien Arbeitsplätzen den attraktivsten Arbeitgeber wählen zu können – und diesen bei Bedarf auch schnell wieder zu wechseln.

Unzufriedenheit im Job

Ein Viertel der Beschäftigten würde ihren Job aber auch ohne die Aussicht auf eine neue Stelle kündigen, sollte eine entsprechend hohe Unzufriedenheit am aktuellen Arbeitsplatz vorliegen.

Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage der Talent- und Organisationsberatung Korn Ferry.

Eine hohe Unzufriedenheit im Job kann mehrere Ursachen haben, darunter:

  • Schlechte Arbeitsbedingungen
  • Unzufriedenheit mit den Aufgaben
  • Hoher Workload, Stress
  • Schlechtes Betriebsklima
  • Keine Wertschätzung
  • Unzufriedenheit mit der Führung
  • Keine Aufstiegsmöglichkeiten
  • Fehlende Identifikation mit dem Unternehmen

Falsche Erwartungen

Ein Grund für Frühfluktuationen ist häufig ein mangelhafter Recruiting- und Onboarding-Prozess.

Ungenaue Stellenausschreibungen und Vorstellungsgespräche können dazu führen, dass Mitarbeitende ihre neue Stelle mit völlig anderen Vorstellungen antreten, als sie sie schließlich in der Realität vorfinden. Einstellungen, die nicht zur Unternehmenskultur passen, oder auch eine ungenügende Einarbeitung führen dann zu frühzeitigen Abgängen schon in der Probezeit.

Veränderungen im Privatleben

Natürlich kann es auch ganz private Gründe haben, warum Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Das kann zum Beispiel sein, wenn sie in eine andere Stadt ziehen oder sich durch Familiengründung die Anforderungen ändern.

 

Was sind die Nachteile einer hohen Fluktuation für Unternehmen?

Eine hohe Mitarbeiterfluktuation ist für Unternehmen eine große Herausforderung und kann erhebliche wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen.

Hohe Kosten und großer Zeitaufwand

Mitarbeiterfluktuation setzt einen sehr zeit- und arbeitsaufwendigen Prozess in Gang – von dem Kündigungsprozess bis zum Recruiting und der Einarbeitung neuer Mitarbeitenden.

Ein reger Wechsel in der Belegschaft nimmt erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen in Anspruch, die von der HR-Abteilung gestemmt werden müssen. Wie teuer Mitarbeiterfluktuation in echten Zahlen ist, erfahrt ihr in unserem Blog zum Thema ROI von starker interner Kommunikation.

Know-how geht verloren

Verlassen Fachkräfte, Leistungsträger und Leistungsträgerinnen sowie Mitarbeitende, die schon viele Jahre im Betrieb gearbeitet haben, das Unternehmen, geht einiges an Know-how verloren.

Dieses muss den neuen Mitarbeitenden erst wieder beigebracht werden. Und nicht nur das: Das verlorene Wissen geht mit dem Personalwechsel im schlimmsten Fall zur Konkurrenz über.

Nicht zu vernachlässigen ist zudem, dass Mitarbeitende mit bevorstehendem Ende des Arbeitsverhältnisses in der Regel nicht mehr voll eingesetzt werden können. Sie können keine neuen Projekte mehr übernehmen und sind meist auch deutlich weniger motiviert.

💡 Tipp: Um den Wissensverlust bei Kündigungen so gering wie möglich zu halten, solltet ihr in eurem Unternehmen ein zentrales Wissensmanagement betreiben. Nutzt geeignete Plattformen, um euer Unternehmenswissen an einem Ort zu sammeln, sodass trotz Abgänge und Veränderungen im Personal keine Daten verloren gehen.

Unsicherheit im Team

Gehen wichtige Angestellte oder Führungskräfte, kann das einige Umstrukturierungen notwendig machen.

So müssen Mitarbeitende unter anderem neue Funktionen übernehmen. Veränderungen in der Teamzusammensetzung können vor allem anfangs zu einigen Unsicherheiten führen. Die Teammitglieder müssen sich in ihren neuen Rollen erst wieder zusammenfinden.

💡 Tipp: Unterstützt die Zusammenarbeit im Team, indem ihr geeignete Tools zur Kollaboration bereitstellt. So sorgt ihr dafür, dass neue sowie alte Teams immer effizient zusammenarbeiten.

Unsicherheit bei Kunden und Partnern

Ein Personalwechsel beeinflusst nicht nur interne Beziehungen im Kollegium, sondern auch die geschäftlichen Beziehungen zu Kunden und Partnern.

Haben diese lange Zeit mit einem bestimmten Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin zusammengearbeitet, müssen sie zu den neuen Ansprechpartnern erst wieder neues Vertrauen aufbauen.

 

Hat Mitarbeiter-Fluktuation auch Vorteile?

Neben den genannten Nachteilen kann Mitarbeiterfluktuation auch eine Chance sein.

Neue Mitarbeitende bringen neues Know-how, neue Perspektiven und Ideen ins Unternehmen.

Unternehmensfremde Fluktuation kann zudem die unternehmensinterne Fluktuation begünstigen. Mitarbeitende haben so die Möglichkeit, aufzusteigen und freigewordene Positionen innerhalb des Unternehmens zu besetzen.

 

Maßnahmen gegen die Mitarbeiterfluktuation

Wie wir schon am Anfang erwähnt haben, ist Mitarbeiterfluktuation ein normales Phänomen, das jedes Unternehmen betrifft. Jedoch sollte vor allem unternehmensfremde Fluktuation zur Konkurrenz verhindert werden. Eine hohe Fluktuationsrate deutet schließlich darauf hin, dass es an einigen Stellen Verbesserungsbedarf gibt.

Mitarbeitende binden

Das Zauberwort im Kampf gegen eine hohe Mitarbeiterfluktuation heißt Mitarbeiterbindung.

Um Mitarbeitende in eurem Unternehmen zu halten, solltet ihr für arbeitnehmerfreundliche Arbeitsbedingungen sorgen und euren Angestellten attraktive Benefits bereitstellen. So erhöht ihr die Mitarbeitermotivation und Mitarbeiterzufriedenheit.

Bietet ihr die Möglichkeit auf Homeoffice und einen Zuschuss zu den Fahrtkosten, ist beispielsweise auch ein Umzug eurer Angestellten kein Kündigungsgrund mehr. Ein attraktives Kinderbetreuungsangebot und flexible Arbeitszeiten helfen eurer Belegschaft, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Weitere Maßnahmen für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung sowie konkrete Ideen für euer Retention Management könnt ihr in unserem Blog nachlesen.

Recruiting und Onboarding verbessern

Mitarbeiterbindung beginnt schon im Recruitingprozess.

Vermeidet Frühfluktuationen, indem ihr Erwartungen offen kommuniziert.

Wer Recruiting und Onboarding schleifen lässt, um vermeintlich Kosten und Aufwand zu sparen, wird langfristig mit mehr Aufwand durch Mitarbeiterfluktuation rechnen müssen.

Mitarbeitende fördern

Damit Mitarbeitende lange in eurem Unternehmen bleiben, brauchen sie eine Perspektive.

Bietet ihnen attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Karriere- und Aufstiegschancen. So kommen sie nicht in Versuchung, sich nach neuen Herausforderungen bei anderen Arbeitgebern umzusehen.

Belohnt die Leistungen eurer Belegschaft und sorgt dafür, dass sich eure Angestellten wertgeschätzt fühlen. Wertschätzung steigert nicht nur die Mitarbeiterbindung, sondern auch die Motivation, das Engagement und die Produktivität – und ist somit einer der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmenden.

Regelmäßige Mitarbeitergespräche

Sprecht mit euren Mitarbeitenden!

Indem ihr regelmäßig Mitarbeitergespräche führt, könnt ihr Unzufriedenheiten frühzeitig aufdecken und Kündigungen entgegensteuern. Ebenso wichtig sind Trennungsgespräche. Setzt euch im Rahmen eines Exit-Gesprächs mit euren Ex-Mitarbeitenden zusammen, um die Gründe für die Kündigung aufzuklären. Zudem könnt ihr mit einem positiven Trennungsgespräch die Einstellung eurer Ex-Mitarbeitenden gegenüber eurem Unternehmen beeinflussen.

Generell gilt: Kommunikation ist der Schlüssel!

Erhöht mit dem Social Intranet von Haiilo das Verbundenheitsgefühl sowie die Identifikation mit euren Werten und erhaltet dank Mitarbeiterbefragungen ein authentisches Bild zur Stimmungslage in eurem Unternehmen. Mit einer durchdachten Mitarbeiterkommunikation, unterstützt von einer modernen Plattform, könnt ihr Mitarbeiterfluktuation effizient vorbeugen.